Herbst hatte in London Innenarchitektur studiert und sich auf Studienreisen nach Russland und Italien weitergebildet, bevor er nach Paris zurückkehrte. Bald nannte man ihn "l'homme d'acier", den Mann aus Eisen, was nicht nur auf sein Lieblingsmaterial sondern auch auf seinen unbeugsamen Charakter anspielte. Am denkwürdigen salon d'autumn des Jahres 1929, an dem auch Le Corbusier die meisten seiner Möbelentwürfe vorstellte, präsentierte René Herbst erstmals seinen Sandows-Chair, der als "Spaghetti-Stuhl" zu einem der berühmtesten modernen Möbelklassiker wurde.
1930 wurde er zusammen mit Le Corbusier und Jean Puifocart Gründungsmitglied der UAM, der Union des Artistes Modernes, die in den folgenden Jahren regelmässig Ausstellungen veranstaltete und sich als Gegengewicht zu den verspielten Exzessen der Art Deco sahen. So trugen diese Ausstellungen in den Vierziger Jahren den Titel "Formes Utiles"(Nützliche Formen) und hatten sich ganz einer als "Neue Sachlichkeit" treffend umschriebenen Gestaltungsweise verschrieben.
René Herbst, der während Jahrzehnten zu den führenden französischen Designern gehörte, wurde vielfach ausgezeichnet und bereits 1935 zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Einer der interessantesten und bedeutendesten Aufträge, die Herbst in dieser Zeit ausführte, war die Gestaltung des Mobiliars für die Gattin des Aga Khan. Hier konnte er mit letzter Konsequenz seine Vorstellung von Qualität umsetzen. Seine Möbel, deren Herstellung in den meisten Fällen aufwendig und teuer war, stellte Herbst in seiner eigenen Produktionsfirma her.